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Aus dem Manuskript „Das dunkle Haus"

Eines Tages, der Garten begann zu dämmern und das Zwielicht quälte meine Augen, riss ich ein Kalenderblatt ab, nahm einen Stift zur Hand, mit dem ich sonst die Einkaufslisten schrieb, und notierte einer Laune nachgebend auf die Rückseite: Sommernachtstraum.

Und wie ich so auf die Zeilen vor mir sah, wie ich sie schmeckte, roch, befühlte, da kam es mich an wie der Hauch eines Flügelschlags. Ich fasste einen Entschluss. Die Röcke gerafft  stieg ich der Katze nach. Weder wusste ich, was ich suchte, noch ob ich etwas zu finden hoffte, ob mich die Langeweile oder eine höhere Macht trieb, oder ob ich es nur leid war, jeden Abend von der Katze, diesem hochmütigen Ding, um meine Tatenlosigkeit belächelt und bedauert zu werden. Gab es ein Geheimnis unterm Dach, so wollte ich nicht länger unwissend bleiben. Und gäbe es keins, dann dürfte ich weiterhin in den dunklen Garten starren und die Katze getrost ziehen lassen. Sie wäre mir in nichts voraus und könnte künftig posieren wie die allwissende Sphinx, ich aber wüsste es besser.

Die Bodentreppe hinauf, durch die Luke hindurch, die polternd hinter mir herab fiel, stand ich einen Moment atemlos und ohne Orientierung, bevor ich mich, nach Hindernissen tastend, zwischen schemenhaft gezeichneten Gegenständen hindurch zwängte. Auf einem wackeligen Stuhl ließ ich mich nieder. Ich legte meine Hände in den Schoß und wartete. Und tatsächlich, es dauerte nur wenige Minuten, dann war ich mitten drin in den Mysterien der Dunkelheit.

Katrin Volkmann - Texter & Autorin | kontakt@texter-autorin.de