Aus dem Manuskript „Das dunkle Haus"
Eines Tages, der Garten begann zu dämmern und das
Zwielicht quälte meine Augen, riss ich ein Kalenderblatt ab, nahm einen Stift
zur Hand, mit dem ich sonst die Einkaufslisten schrieb, und notierte einer
Laune nachgebend auf die Rückseite: Sommernachtstraum.
Und wie ich so auf die Zeilen vor mir sah, wie ich
sie schmeckte, roch, befühlte, da kam es mich an wie der Hauch eines
Flügelschlags. Ich fasste einen Entschluss. Die Röcke gerafft stieg ich der Katze nach. Weder wusste ich,
was ich suchte, noch ob ich etwas zu finden hoffte, ob mich die Langeweile oder
eine höhere Macht trieb, oder ob ich es nur leid war, jeden Abend von der
Katze, diesem hochmütigen Ding, um meine Tatenlosigkeit belächelt und bedauert
zu werden. Gab es ein Geheimnis unterm Dach, so wollte ich nicht länger
unwissend bleiben. Und gäbe es keins, dann dürfte ich weiterhin in den dunklen
Garten starren und die Katze getrost ziehen lassen. Sie wäre mir in nichts
voraus und könnte künftig posieren wie die allwissende Sphinx, ich aber wüsste
es besser.
Die Bodentreppe hinauf, durch die Luke hindurch, die
polternd hinter mir herab fiel, stand ich einen Moment atemlos und ohne
Orientierung, bevor ich mich, nach Hindernissen tastend, zwischen schemenhaft
gezeichneten Gegenständen hindurch zwängte. Auf einem wackeligen Stuhl ließ ich
mich nieder. Ich legte meine Hände in den Schoß und wartete. Und tatsächlich,
es dauerte nur wenige Minuten, dann war ich mitten drin in den Mysterien der
Dunkelheit.